REISEARCHIV: Reise 7 - Rundreise zu den Höhepunkte von China (Teil 1)




Rundreise zu den Höhepunkte von China
30.3.-21.4.1995

Teil 1: 1 Peking - 2 Jinan - 3 Taian - 4 Qufu - 5 Nanking

Nächstes Mal:
Teil 2: 6 Schanghai - 7 Xi'an - 8 Guilin - 9 Kanton - 10 Hongkong - 11 Peking

Damit jeder weiß, wo diese Städte auf der Karte zu finden sind:




Größenvergleich unserer Tour mit Europa:





Da China jahrtausendelang von der westlichen Welt isoliert war, trifft der Besucher hier auf eine für ihn sehr fremde, andersartige Welt. Es handelt sich um ein „Reich der Zeichen“: von den Schriftzeichen bis zu den Dialekten, von den Shan-shui-Seidengemälden bis zu den Kalkbergen von Guilin, von den schwer faßbaren religiösen Überzeugungen bis zur schwierigen aktuellen Politik. Alles ist ganz anders und viel komplizierter als es den Anschein hat. Das „mythische Land“ oder das „Reich der Mitte“, wie es in der Antike hieß, wurde im Mittelalter, durch mündliche Erzählungen und schriftliche Berichte von Fernreisenden wie Marco Polo, unter dem mongolische Namen „Catay“ bekannt. Später ging man in Europa über, den Staat China nach der Qin-Dynastie zu nennen, deren Kaiser Qin Shi Huangdi als Reichsgründer gilt.


DO, 30.3
Es ist endlich soweit. Wir fahren bereits am morgen mit dem Zug nach Wien-Südbahnhof und von dort mit dem Bus weiter zum Flughafen. Nach einem kurzen Mittagessen beginnen wir mit den Eincheck-Formalitäten und um 14,55 Uhr ist der Abflug. Die Enfernung bis nach Peking beträgt 7465 km. Bald nach dem Steigflug, nach dem wir die richtige Flughöhe erreichen, gibt es bereits an Bord die erste Mahlzeit. Während des Fluges merken wir, dass da wir der Sonne entgegenfliegen, der Tag an Bord doppelt so rasch vergeht wie normal. Bereits um etwa 17 Uhr ist draußen stockfinster.

FR, 31.3.
Um etwa 22 Uhr nach mitteleuropäischer Zeit gibt es ein Bordfrühstück. Anfangs bin ich darüber ein wenig erstaunt, aber nach kurzem nachrechnen verstehe ich es. Nach Chinazeit ist es ja bereits 4 Uhr und wir landen in etwa zwei Stunden. Und tatsächlich um exakt 0,20 Uhr MEZ (= 6,20 Uhr Chinazeit) landen wir in Peking und beginnen nach den üblichen Checkout und Grenzformalitäten, obwohl wir fast nichts geschlafen haben und sehr müde sind, mit einer kleinen Stadtrundfahrt bis zum Mittagessen. In Peking ist es zur Zeit etwa gleich kühl wie in Österreich Ende März.


1) PEKING


Die erste Station unserer Reise war Peking. Peking ist die Hauptstadt der Volksrepublik China und hat eine über dreitausendjährige Geschichte. Der Name bedeutet Nördliche Hauptstadt. Peking ist heute eine regierungsunmittelbare Stadt, das heißt, sie ist direkt der Zentralregierung unterstellt und damit Provinzen, autonomen Gebieten und Sonderverwaltungszonen gleichgestellt. Das gesamte 16.807 Quadratkilometer große Verwaltungsgebiet Pekings hat 20,69 Millionen Einwohner.

Unsere Rundfahrt beginnt am Platz des himmlischen Friedens („Tian’an Men Guanchang“), wo sich in der Mitte das Mao-Zedong-Denkmal befindet. Der im Zentrum der Stadt gelegene Platz hat eine Fläche von rund 40 Hektar und ist einer der größten der Welt. Er bildet den geographischen, historischen und kulturellen Mittelpunkt der Stadt. Im Westen wird der Platz durch die gewaltige Große Halle des Volkes begrenzt und im Osten durch ein weiteres Bauwerk, das die Museen der chinesischen Geschichte beherbergt. Südlich befindet sich schließlich die Mao-Zedong-Gedenkhalle, wo sich mehrere hundert Chinesen in einer sehr langen Reihe anstellen, um diese Sehenswürdigkeit zu besichtigen. An der Nordseite des Platzes liegt schließlich das Tor des Himmlischen Friedens („Tian’an Men“).

Nur wenige Meter nördlich vom Kaiserpalast befindet sich der Kohleberg („Meishan“) mit dem Park der guten Aussicht, da man vom Meishan aus den ganzen Kaiserpalast mit seinen hunderten Tempeln überblicken kann.  Der Name des Kohlehügel kommt daher, da unter den Ming-Kaisern am Fuß des Hügels Kohle gelagert wurde und die ursprünglich niedrige Erhebung erst später durch Anhäufung von Bauschutt der alten Stadtmauern und Erdmassen, die bei den Aushebungen der Wassergräben um die Kaiserpaläste anfielen, in die Höhe wuchs. Vor dem Mittagessen haben wir noch Zeit, um einen typisch chinesischen Vogelmarkt zu besichtigen. Den Nachmittag nutzen wir endlich zum Ausrasten von der anstrengenden Reise. In unserem Quartier für die folgenden drei Nächte, dem „Hotel Tiantan“ in Peking, schlafe ich ein paar gemütliche Stunden. Erst spät am Abend spazieren dann ein wenig durch die Straßen von Peking.

SA, 1.4.

Wir stehen um ½ 8 Uhr auf, und Beginnen um etwa 9 Uhr mit einer weiteren Stadtrundfahrt bis zum Mittagessen. Unser erstes Ziel heute ist der Kaiserpalast („Gugong“), oder „Verbotene Stadt“, wie der Palast auch heute noch genannt wird, da der Kaierpalast früher ausschließlich dem Kaiser von China und dessen Gefolgschaft vorbehalten war. Der Kaiserpalast ist das größte und bedeutendste Bauwerk Chinas. Diese Anlage war 490 Jahre lang die Residenz von 24 Ming- und Qing-Kaisern und erstreckt sich auf eine Fläche von 720.000 m². Die gesamte Anlage ist von einer 10 m hohen Mauer mit vier Ecktürmen und einem 50 m breiten Wassergraben umgeben. Wir betreten das Bauwerk durch das Mittagstor „Wumen“ und blicken dann auf fünf mit Skulpturen reich verzierte Brücken aus weißem Marmor, die Goldwasser-Brücken („Jin Shui Qiao“) heißen. Anschließend spazieren wir noch etwa zwei Stunden quer durch die Anlage. 


Blick zum "Tor des himmlischen Friedens" am "Platz des himmlischen Friedens",
dem größten befestigten Platz der Welt mit einer Fläche von 39,6 Hektar.


Zentraler Punkt des Kaiserpalastes ist die Halle der höchsten Harmonie:




Die bedeutendsten Bauten des Kaiserpalastes sind die drei Haupthallen. Die größte, die „Halle der höchsten Harmonie“ („Taihe Dian“), ist 35 m hoch und hat eine Fläche von 2000 m² und beherbergt den vergoldeten Kaiserthron. Hier fanden bedeutende Zeremonien wie die Krönung und die Hochzeit des Kaisers sowie Geburtstags- und Neujahrsfeiern statt. Die „Halle der Vollkommenen Harmonie“ („Zhonghe Dian“) befindet sich hinter der Halle der Höchsten Harmonie. Hier ruhte sich der Kaiser aus und nahm Huldigungen von Beamten und Zeremonienmeister entgegen. Die dritte der Haupthallen schließlich ist die „Halle der Erhaltung der Harmonie“, welche dem Kaiser als Bankettsaal diente. In der Nähe des Kaiserpalastes befindet sich in Sichtweite der Nord-See-Park, den wir aber nicht besichtigen, da uns zuwenig Zeit bleibt.




Die Paläste und Pavillons zählen über 9000 Räume, die alle sehr gut erhalten sind.



Mittagessen unterwegs...



Unsere auf zwei Autobusse aufgeteilten Mitreisenden werden beim ersten gemeinsamen Mittagessen auf mehrere runde Tische aufgeteilt. Auf jedem Tisch sitzen ca 10 Personen. Wir bestellen kein Essen, sondern haben quasi ein Buffet, das uns von den Kellnerinnen direkt auf den Tisch auf die runde Drehplatte inmitten des Tisches serviert wird... die Sitzordnung ist dann im Verlauf der Reise bis am Schluss immer gleich geblieben...








unten: Straßenszenen von Peking





Unser nächstes Ziel am heutigen Tag ist das Wahrzeichen von China, der Himmelstempel („Tian Tan“). Der Himmelstempel im Süden der Stadt ist eine von üppiger Vegetation umgebene Sakralanlage, die im wesentlichen aus drei wichtigen Gebäuden besteht. Der „Altar des Himmelrunds“, die „Halle des Himmelsgewölbes“ und das größte Bauwerk des Himmelstempels, die etwa 38 m hohe „Halle des Erntegebetes“, die einen Durchmesser von 30 m hat und bemerkenswerterweise ohne einen einzigen Nagel erbaut wurde. Sie erhebt sich auf einer dreistufigen Marmorterrasse und besitzt ein ebenfalls dreistufiges Dach mit 50.000 blauen Glasurziegeln. Dieses Bauwerk wird von 28 symbolträchtigen Säulen getragen. Nach dem Mittagessen fahren wir zu einem Markt, wo es Seidenkrawatten ab umgerechnet öS 6,-- /Stk. gibt.



Dass in China fast alles gegessen wird, merken wir spätestens beim heutigen Abendessen in Peking. Haifischflossen, Wachteleier, Schwalbennester, Bambussprossen, Fischmägen, Schnecken und Quallensalat zählen da noch zu den ganz normalen Speisesorten. Den Chinesen vorbehalten und den Chinatouristen nur selten serviert wird aber auch Ratten-, Schlangen-, Mäuse-, Katzer- und Hundefleisch. Außerdem: In China wird ausschließlich mit Stäbchen gegessen, auch für Touristen gibt es in den allerwenigsten Gasthäusern Messer und Gabeln. Am Abend schließlich besuchen wir eine Peking-Oper, die jedoch, um ehrlich zu sein, für mich jedoch sehr einschläfernd ist. Doch es ist teilweise sehr interessant, wenigstens einmal im Leben diese Art chinesischer Kunst zu sehen. Bei der Peking-Oper geht es nämlich nicht nur um den Gesang, sondern es handelt sich um eine Mischung von Akrobatik, Theater, Gesang, Pantomime und einem Konzert mit traditionellen chinesischen Instrumenten wie Zimbeln, Flöten und Trommeln. Auffällig und ungewohnt sind die sehr hohen Töne der Falsettstimmen der Frauen.


Anschließend spazieren wir wieder durch die nächtliche Stadt, was für mich immer wieder ganz besonders interessant ist, da wir nicht mit der ganzen Gruppe unterwegs sind und durch das Mischen unter das Volk, ohne jetzt besonders als Tourist aufzufallen einen viel besseren Einblick in das Leben der chinesischen Bevölkerung bekommen. Während wir so durch die Straßen gehen hören wir plötzlich von weiter her laute Trommelgeräusche. Da wir noch genügend Zeit haben, beschließen wir dieser Sache auf den Grund zu gehen und finden nach einiger Zeit heraus, dass es sich um eine Art Tanzveranstaltung handelt. Etwa vier Männer trommeln regelmäßig in einem bestimmten Rhytmus, während rund vierzig Leute aller Altersstufen sich alle gleich im Takt dazubewegen. Es erinnert fast an Aerobic, nur die „Musik“ ist anders, da hier nur getrommelt wird.

SO, 2.4.
Am Vormittag fahren wir in das ca. 85 km nordwestlich von Peking gelegene Dorf Badaling, wo sich ein für Touristen speziell restauriertes und gepflegtes Stück der großen Mauer befindet. Der Befestigungswall ist hier ca. 7-8 m hoch und 5-6 m breit. Außerdem befindet sich auf diesem auf 1000 m Seehöhe gelegenen Paß ein 5000 m² großes Fort aus dem Jahr 1502, wo sich heute ein Markt und einige Geschäfte befinden. Während wir die Mauer, die sehr viel steiler ist als ich dachte, besteigen, weht ein eiskalter Wind, sodass ich alles anziehen muß, was ich in meinem Rucksack mitgenommen habe. Außerdem kaufe ich mir am Markt in Badaling zusätzlich noch einen warmen Pullover.







Die große Mauer („Wanli Chang Cheng“) erstreckt sich heute über insgesamt 6700 km, von dem Shanghaiguan-Paß im Osten bis zum Jiayuguan-Paß im Westen. Sie verläuft durch Hebei, Tientsin, Peking, Shanxi, die Innere Mongolei, Ningxia, Shaanxi und Gansu. Das Bauwerk ist im Durchschnitt 6 bis 8 m, stellenweise bis 16 m hoch, an der Krone 6 bis 7 m breit und mit Zinnen und Wachtürmen versehen. Entlang der eigentlichen großen Mauer befinden sich viele Kulturdenkmäler und historische Städte, die ihrerseits wieder mit eigenständigen Mauern versehen sind. Sämtliche derartige Mauern in China ergeben eine Länge von etwa 50.000 km. 



Danach besuchen wir in der Nähe eine Vasenfabrik und fahren schließlich zu den 13 Ming-Gräbern (Foto unten). Es gibt insgesamt jedoch 14 Ming-Gräber; das 14. Ming-Grab ist das Grab des ersten Ming-Kaisers. Es ist das größte Ming-Grab und befindet sich in der Großstadt Nanking. Die ca. 40 km² große Grabanlage knapp 50 km nördlich von Peking ist sozusagen ein Monumentalfriedhof der Mingdynastie, in dem 13 von 16 Kaisern dieses Geschlechtes sowie die Kaiserinnen und einige Nebenfrauen beigesetzt sind. Wir besichtigen zuerst die heilige Allee der steinernen Statuen und anschließend stellvertretend eines der dreizehn Gräber, welches wieder aus mehreren Bauwerken besteht.






MO, 3.4.
Um 6 Uhr aufstehen, nach dem Frühstück Fahrt zum Bahnhof und Zugfahrt von 9 bis 16 Uhr bis zum etwa 500 km südlich von Peking gelegene Jinan. Gleich nach dem Aussteigen vom Zug merken wir, dass es deutlich wärmer ist als im kühlen Peking. Gleich nach der Ankunft und dem Beziehen des Zimmers im „Hotel Pearl“, welches unser Quartier für zwei Nächte ist, Abendessen in Jinan.

2) JINAN
Jinan hat ca 6 Mio Einwohner und ist die Hauptstadt der Provinz Shandong in China und eine von 15 Unterprovinzstädten des Landes.Eingangsbereich unseres Hotels in Jinan: 



DI, 4.4.
Um 9 Uhr beginnen wir mit einer Stadtrundfahrt durch ganz Jinan. Als erstes steht eine Fahrt zum Gelben Fluß („Huanghe“) auf dem Programm, der sich etwas außerhalb des Stadtzentrums befindet und der wichtigste Fluß im Norden Chinas ist. Der Huanghe ist mit einer Gesamtlänge von mehr als 4800 km der siebtlängste Fluß der Erde. Das Einzugsgebiet umfaßt mit etwa 772.000 km² etwa die gleiche Fläche wie das Donausystem. Der Gelbe Fluß ist auch der schlammreichste Fluß der Erde, denn er durchsägt auf seinem Lauf mit großem Gefälle in engen Schluchten das nordchinesische Lößgebiet und nimmt über seine Zuflüsse im Durchschnitt die gigantische Menge von über eine Milliarde Tonnen Sedimentfracht jährlich auf, welche zu 60 % im gelben Meer und zu 40 % in den großen Ebenen abgelagert wird.

Am Gelben Fluss - eine der längsten Flussbrücken der Welt:




Unsere beiden chinesischen Reiseführerinnen:






Auf der Fahrt zurück zur Stadt besuchen wir den Zoo in Jinan, wo auch Pandabären eingesperrt sind, was mir jedoch nicht so besonders gefällt. Vor dem Mittagessen spazieren wir durch den Daminghu-Park am ca. 46 ha großen Daming-See, dem „See des großen Lichts“, der im Norden der Stadt liegt. Der See wird von mehreren Quellen gespeist. An seinen Ufern reihen sich viele alte Bauten, Wandelgänge und Pavillions aneinander. Nachmittag besuchen wir den „Tausend Buddha Berg“ („Qian Fo Shan“) am Stadtrand von Jinan. Wir fahren nicht mit der dort befindlichen Seilbahn auf den Gipfel, sondern wanderten alle von mir selbst gezählten 430 Stufen auf den ohnehin nur 285 m hohen „Berg“. Seine Hänge, die Grotten an seinem Fuße und das im 7. Jahrhundert errichtete Kloster des Gedeihens des Landes („Xingguo Si) bergen eine Vielzahl von buddhistischen Statuen - daher sein Name - die 1400 Jahre alt sind.


Anschließend besuchen wir noch die „emporspritzenden Quelle“ , die im Baotuquan-Gongyuan-Park im Stadtzentrum von Jinan entspringt. Die Quelle gilt seit alters her als die schönste von China; auf einer Tafel bei der Quelle steht sogar „Die erste Quelle der Welt“. Die Wassermassen ihrer drei Fontänen schießen mit einer Kraft von ca. 1600 l/Sek. aus dem Boden. Danach fahren wir noch kurz zu einer Stickereifabrik. Zum Ausklang des Tages wurde uns schließlich in einem größeren Hotel in Jinan während des luxuriösen Abendessens mit Scampis, Schrimps, Krabben, Wachteleiern und Wein eine Show mit Musik, Artistik und Tanz geboten. 





Eine unserer Reisebegleiterinnen aus Velden:



Danach machen wir noch einen abendlichen Spaziergang in Jinan. Wir spazieren durch die Hauptstraßen, schauen den Leuten beim Kartenspielen zu und gehen auch kurz in eine Art Gasthaus. In einer Straße hören wir plötzlich ruhige chinesische Schlagermusik, die aus einem relativ unscheinbaren Gebäude dringt. Uns interessiert, was hier geschieht, denn vor dem Gebäude parken etwa 30 Fahrräder. Wir gehen durch das Eingangstor in eine Art Innenhof und sehen dort wieder eine kleinere Eingangstür. Wir öffnen die Tür und betreten das Stiegenhaus, das mich an ein sehr altes Stiegenhaus in Österreich erinnert. Im Stiegenhaus sitzen auf einer Bank zwei etwa 20jährige Mädchen und haben daneben eine Schachtel mit Geld und eine Schachtel mit kleinen roten Zetteln, die Eintrittskarten sein könnten, liegen. Die beiden schauen uns sehr verwundert an, auch ich weiß im Moment nicht, was geschehen wird. Doch dann deute ich mit den Finger „eins“ und sage „one“. Das eine Mädchen drückt uns jeweils einen der roten Zetteln in die Hand und sagt irgend etwas auf chinesisch. Ich gebe ihr einen der chinesischen Geldscheine und bekomme wieder einige weitere Geldscheine zurück. Daraufhin dürfen wir weitergehen. Wir gehen an Wohnungstüren entlang die Stiege hinauf, wissen aber weder, wohin genau wir gehen dürfen, noch, was uns überhaupt erwartet. Auf alle Fälle hat es irgend etwas mit Musik zu tun. Im dritten Stock angelangt ist eine Tür, an der ein größerer Zettel mit chinesischer Schrift angebracht ist. Wir öffnen die Tür und betreten einen düsteren Raum, in dem etwa vierzig Paare zu ruhiger Schlagermusik tanzen.  Alle Altersstufen von 15 bis 65 sind hier versammelt! Die Band spielt sitzend auf der einen Seite des Raumes während auf den anderen drei verbleibenden Seiten des Raumes Sesseln für diejenigen, die nicht tanzen wollen, im Kreis aufgestellt sind. Wir setzen uns auf zwei leere Sesseln während alle Augen des Saales naturgemäß auf uns weißfarbige Europäer gerichtet sind. Auffällig ist auch, dass sich alle Tanzpaare stets nach jedem Lied hinsetzen um dann erst mit dem Beginn des nächsten Liedes erneut aufzustehen und zu tanzen. Es gibt auch eine kleine Bar neben dem Saal, wo jedoch keine alkoholischen Getränke verkauft werden.

Eine typische, für uns unleserliche, öffentliche Landkarte in Jinan:





MI, 5.4.
Der heutige Tag beginnt mit einer ca. zweistündigen Busfahrt in die Kleinstadt Tai’an.

3) TAI'AN

Die Stadt Tai'an liegt ca 70 km südlich von Jinan. Grund unsere dorthin und wichtigstes Ausflugsziel in Tai'an is
t der auch als Ostberg bezeichnete nördlich der Stadt gelegen Berg Tai Shan (1.545 m), der schon von Konfuzius erwähnt wird und der zu den heiligen Bergen Chinas gehört. 


Um 11 Uhr kommen wir bei unserem Hotel, dem „Hotel Taishan“, in Taian an, beziehen unser Zimmer und gehen mittagessen. Den ganzen Nachmittag verwenden wir dazu, den auch als Ostberg bezeichneten Berg Taishan (1545 m) zu besichtigen, welcher der berühmteste der fünf heiligen Berge Chinas ist. Seit über 2000 Jahren kamen die Herrscher Chinas hierher um Himmel und Erde zu opfern.

Blick von Tai'an auf den Tai Shan:





Nach einer ca. 10 minütigen Busfahrt erreichen wir den Fuß des heiligen Berges. Um den Gipfel dieses Berges zu erreichen, gäbe es freilich auch die Möglichkeit, zu Fuß zu gehen, denn auf den Berg führt eine 9 km lange Treppe mit insgesamt 6293 Stufen(!),  mit welcher der Höhenunterschied von 1350 m überwunden werden kann. Am Aufstieg kommt man bei zahlreichen Toren, Hallen und Palästen vorbei. Jeder Treppenabschnitt zwischen zwei jeweiligen Toren oder Pavillions hat eine eigene Bezeichnung. Doch da wir nicht genügend Zeit haben, fahren wir zuerst bis zur halben Höhe des Berges ca. ½ Stunde mit dem Bus und benutzen dann die Seilbahn, die uns fast direkt auf den Gipfel bringt. Auf den Gipfel haben wir dann zwei Stunden Zeit, um uns gemütlich sämtliche Gebäude und Tempeln, die sich auf diesem Berg befinden, anzusehen. Das bedeutendste Gebäude dabei ist der Tempel des Jadekaisers („Yuhuang Dian“) am Jadekaiser-Gipfel.



Der Tai Shan ist der meistbestiegene Berg der Welt. Der berühmteste Tempel der Stadt ist die daoistische Daimiao Tempelanlage.






Nach der Rückkehr in Taian, gehen wir abendessen und machen anschließend einen kurzen Abendspaziergang, wo wir in einer Konditorei Topfengolatschen um umgerechnet öS 3,-- und eine größere Cremeschnitte um ca. öS 4,-- kaufen. In einem Supermarkt kaufen wir Musikkassetten um ca. öS 10,-- /Stück. Unsere Nächtigung in Taian ist im Hotel Taishan am Fuße des Taishan.

DO, 6.4.

Um 9 Uhr fahren wir zum 96.439 m² großen Tempel des Berggottes („Dai Miao-Tempel“), der sich ähnlich wie der Kaiserpalast in Peking aus 813 Tempeln, Palästen, Pavillions und Wandelgängen zusammensetzt. Nach einem ca. 2stündigen Aufenthalt im Tempel spazieren wir zu einem kleinen Straßenmarkt, wo ich unter anderem auch einem Zauberwürfel um etwa öS 10,-- erblicke.

Nach dem Mittagessen fahren wir mit dem Bus in das etwa 100 km südlicher gelegene Qufu. Langsam merken wir, dass es durch das ständige Reisen in Richtung Süden immer wärmer wird. Es hat jetzt bereits ca. 20 ºC, also benötigen wir jetzt keine Jacke und keinen warmen Pullover mehr, den wir bis jetzt, vor allem in Peking auf der großen Mauer und auch auf dem Taishan, ständig gebraucht haben.

4) QUFU:
Qūfù ist eine kreisfreie Stadt in der ostchinesischen Provinz Shandong und gehört zum Verwaltungsgebiet der bezirksfreien Stadt Jining. Der chinesischen Mythologie nach gilt die Stadt als Geburts- und Sterbeort des Konfuzius. Qufu wurde 1994 zum Weltkulturerbe ernannt.




Unser erstes Ziel in Qufu ist daher natürlich der 22 ha große Konfuziustempel („Kong Miao“), der an der Stelle errichtet wurde, wo zuvor das Geburtshaus von Konfuzius stand. Die gesamte Anlage unfaßt neun Höfe, um die sich 466 Gebäude unterschiedlicher Art gruppieren. Wir verbringen den ganzen Nachmittag bis zum Abendessen in der Umgebung des Tempels und des dazugehörigen Konfuziuspark. Am Abend spazieren wir durch die Straßen von Qufu, wo sich zahlreiche kleine Geschäfte und Straßenhändler befinden. An den Straßenrändern befinden sich hunderte kleine Herde und Kochgelegenheiten, wo das Essen für zahlreiche Bürger von Qufu zubereitet wird. Anschließend beziehen wir unser Zimmer im „Queli-Hotel“ in Qufu.






FR, 7.4.
Um 9 Uhr Beginn einer kleinen Stadtrundfahrt. Wir besuchen einen chinesischen ländlichen Kindergarten und anschließend die Residenz der Familie Kong („Kong Fu“), welche sehr stark dem Konfuziustempel, den wir gestern besichtigt haben, ähnelt. Diese Anlage ist 16 ha groß, besteht aus neun Höfen, zahlreichen Gebäuden und einem großen Garten und diente der Familie des Konfuzius als Wohnung.



Besprechung unserer Reiseleiter:





Nach dem Mittagessen spazieren wir im Wald der Familie Kong („Konglin“), der 1,5 km nördlich der Stadt gelegen ist. In dem etwa 200 ha großen Areal sind Konfuzius, sein Sohn, sein Enkel und nahezu alle direkten und indirekten Nachkommen von Konfuzius bestattet. Der Grabstein von Konfuzius trägt die Inschrift „Grab des heiligen Königs der Kultur, der die Vollkommenheit erlangt hat“. 





Nach dem Abendessen fahren wir mit dem Bus zum nächstgelegenen Bahnhof in Yanzhou und wir unternehmen wir eine über zehnstündige Zugfahrt von 20,00 bis 6,10 Uhr bis nach Nanjing.


5) NANJING:
Nanjing ist eine Stadt in der Volksrepublik China. Neben der offiziellen Pinyin-Transkription Nanjing wird vielfach noch die ältere deutsche Schreibweise Nanking verwendet. Nanjing ist Hauptstadt und Metropole der Provinz Jiangsu und war Hauptstadt der Republik China und, zeitweise, des chinesischen Kaiserreichs. Nanjing zählt 5.412.400 Einwohner im urbanen Stadtgebiet und 7.588.900 in der Agglomeration (Stand 2008). Somit ist Nanjing hinter Shanghai die zweitgrößte Stadt in Ostchina.

SA, 8.4.
Um ca. 7 Uhr kommen wir bei unserem Hotel, dem „Simpson Huaqiao Grand Hotel“, in Nanking an und beziehen unser Zimmer. Obwohl es erst Morgen ist, ist es bereits relativ warm, denn Nanking ist eine der im Jahresdurchschnitt wärmsten drei Städte in China. Nach dem Frühstück fahren wir zur großen Brücke über den Yangtsekiang („Changjiang Daqiao“).

Anschließend spazieren wir bis zum Mittagessen im Park am Schwarzen Drachen-See („Xuanwuhu“). Der 395 ha große See nimmt einen Großteil der gleichnamigen Parkanlage ein. Er weist fünf durch Brücken und Dämme miteinander verbundene Inseln auf.

Am Nachmittag besichtigen wir den Park des Mausoleum des Dr. Sun Yat Sen („Zhongshan Ling“), der insgesamt eine Fläche von 80.000 m² einnimmt, und das Ming Grab des ersten Ming-Kaisers von China („Mingxiao Ling“). Dieses Ming-Grab ist das größte der insgesamt 14 Ming-Gräber, die es überhaupt gibt. Die übrigen 13 Gräber befinden sich in einem eigenen Areal nördlich von Peking, von dem wir bereits eine zu Beginn unserer Chinareise besichtigt haben. 




Am Abend schließlich spazieren wir durch die Straßen von Nanking. Obwohl es bereits finster ist, ist bei etwa 20-25 ºC noch sehr warm.


Blick auf das in Smog gehüllte Nanjing:




demnächst ->Fortsetzung Reise 7: Höhepunkte von China (Teil 2)